TI 2.0 für Arztpraxen bedeutet: weniger Hardware, mehr Software und ein neues Sicherheitsmodell statt des geschlossenen Netzes. Anlass für den Umbau ist eine Telematikinfrastruktur, die nach Aussage der Gematik selbst „unangenehm oft“ ausfällt. Für Ihre Praxis heißt das vor allem, dass Ihr Praxisverwaltungssystem in den nächsten Jahren wichtiger wird, als der Konnektor im Serverschrank es je war.
Warum stürzt die TI so oft ab?
Auf der Tagung des Bundesverbands der Krankenhaus-IT-Leiter hat die Gematik im September 2026 offen über den Zustand der Telematikinfrastruktur gesprochen. Laut einem internen Strategiepapier war die Nutzung von TI-Anwendungen 2025 im Schnitt 25-mal pro Monat beeinträchtigt, 164 Störungen betrafen das E-Rezept, 162 die ePA. Mit wachsender Nutzung steigt die Zahl kritischer Fehler nach Gematik-Angaben nicht linear, sondern annähernd exponentiell.
Die Ursache liegt in der Architektur. Sie stammt aus den 2000er-Jahren: ein geschlossenes Netz, Konnektoren als VPN-Brücke, zertifizierte Kartenterminals und kartenbasierte Identitäten. Damit ein einziges E-Rezept eingestellt wird, greifen 17 technische Schritte ineinander. Fällt einer aus, gibt es kein Rezept.
Wie sich eine solche Störung im Praxisalltag auswirkt und wie Sie sich darauf vorbereiten, haben wir im Beitrag zur ePA-Störung im September 2026 beschrieben. Hier geht es um die Frage, wie die TI künftig aufgebaut sein soll.
Was ist TI 2.0?
TI 2.0 ist die geplante Neuarchitektur der Telematikinfrastruktur durch die Gematik. Statt eines abgeschotteten Netzes mit Konnektoren und Kartenterminals sollen die Dienste über das Internet erreichbar sein, abgesichert durch ein Zero-Trust-Sicherheitsmodell und digitale Identitäten. Ziel sind weniger Komponenten, weniger Ausfallpunkte und schnellere Weiterentwicklung.
Der Umbau besteht aus mehreren Bausteinen, von denen einige bereits produktiv getestet werden:
Zero Trust (ZETA)
Jeder Zugriff wird einzeln geprüft, statt einem geschlossenen Netz pauschal zu vertrauen. ZETA ersetzt langfristig das sichere Netz und die Konnektoren und ist seit Sommer 2026 im Rollout.
PoPP
Der Proof of Patient Presence weist kryptografisch nach, dass ein Versicherter tatsächlich in Behandlung ist. Er soll Zugriffe etwa auf die ePA absichern.
VSDM 2.0
Das Versichertenstammdatenmanagement in neuer Form läuft bereits nach dem TI-2.0-Muster und ist direkt über das Internet erreichbar.
Digitale Identitäten
Für Praxen und Ärzte setzt die Gematik auf die EUDI-Wallet. Erste Anbieter liefern mit dem HSM-B bereits eine kartenlose Institutionsidentität.
Was ändert sich mit TI 2.0 konkret für Ihre Arztpraxis?
Die wichtigste Verschiebung: Die Arbeit wandert von der Hardware in der Praxis zur Software. Die Anpassung liegt laut Gematik primär bei den Herstellern der Primärsysteme, die die Dienste künftig direkt ansprechen. Für eine Hausarztpraxis oder ein MVZ ändert sich damit vor allem, was im Hintergrund passiert.
| Bereich | TI 1.0 (heute) | TI 2.0 (Ziel) |
|---|---|---|
| Zugang zur TI | Konnektor als VPN-Brücke ins geschlossene Netz | Direkter Zugriff über das Internet, abgesichert durch Zero Trust |
| Institutionsidentität | SMC-B-Karte im Kartenterminal | Digitale Identität, z. B. HSM-B oder EUDI-Wallet |
| Nachweis Patientenkontakt | Stecken der eGK | PoPP, auch ohne Karte möglich |
| Kartenterminals | Zertifizierte eHealth-Terminals Pflicht | Langfristig handelsübliche Geräte |
| Schritte pro E-Rezept | 17 | 3 bis 4 (Zielwert der Gematik) |
| Rolle des PVS | Spricht mit dem Konnektor | Spricht direkt mit den TI-Diensten |
Ein weiterer Vorteil betrifft den mobilen Einsatz. Ohne stationäre Hardware sollen Verordnungen künftig auch bei Hausbesuchen oder im Pflegeheim ohne Medienbruch direkt vor Ort möglich sein. Gerade für hausärztliche Praxen mit vielen Heim- und Hausbesuchen ist das ein spürbarer Unterschied.
Was bleibt vorerst gleich?
TI 2.0 kommt nicht über Nacht. Die Karten verschwinden nicht sofort, und der Konnektor bleibt noch einige Jahre in Betrieb. PoPP betrifft zunächst nur den Anwesenheitsnachweis der Versicherten. Für SMC-B und den elektronischen Heilberufsausweis bleiben zertifizierte eHealth-Terminals vorerst nötig.
Der Zeitplan laut Gematik: Die Umstellung aller TI-Dienste auf das neue Muster ist bis 2029 vorgesehen. Die TI 1.0 mit Konnektoren, Kartenterminals und proprietärem VPN soll bis Ende 2030 vollständig abgebaut werden. Bis dahin laufen beide Welten parallel, und bestehende Pflichten wie das aktuelle Konnektor-Update 2026 gelten weiter.
Wer noch einen Einbox-Konnektor betreibt, muss vor dem Umstieg auf eine digitale Institutionsidentität wie das HSM-B zunächst auf ein TI-Gateway migrieren. Das ist kein Sofortthema, sollte aber bei der nächsten Hardware-Entscheidung mitgedacht werden.
Welche Rolle spielt das Praxisverwaltungssystem bei TI 2.0?
In der TI 1.0 war der Konnektor der Dreh- und Angelpunkt: Das Praxisverwaltungssystem hat Aufträge an ihn übergeben, er hat den Rest erledigt. In der TI 2.0 entfällt dieser Zwischenschritt. Das PVS greift direkt auf die Dienste zu und muss dafür Zero Trust, PoPP und neue Identitätsverfahren selbst unterstützen.
Für Praxen heißt das: Ob E-Rezept, ePA oder Versichertenstammdaten reibungslos laufen, hängt künftig stärker davon ab, wie zügig der Hersteller seiner Software die neuen Schnittstellen umsetzt. Die Gematik räumt selbst ein, dass heute bis zu zwei Jahre für ein neues ePA-Release vergehen. Hersteller, die TI-Funktionen eng in die Software integriert haben, sind bei diesem Umbau im Vorteil.
Praxis4More, das zertifizierte Praxisverwaltungssystem der CoKom One GmbH, ist von Anfang an mit TI-Anbindung, ePA und E-Rezept als Kernfunktionen gebaut. Die Umstellung auf TI 2.0 betrifft deshalb vor allem die Software, nicht zusätzliche Geräte in Ihrer Praxis. Welche Funktionen heute schon enthalten sind, sehen Sie in der Funktionsübersicht von Praxis4More.
Was sollten Arztpraxen jetzt tun?
Handlungsdruck besteht noch nicht, aber ein paar Weichen lassen sich jetzt schon richtig stellen:
TI-Ausstattung erfassen
Notieren Sie, welchen Konnektor Sie betreiben (Einbox-Konnektor oder TI-Gateway), welche Kartenterminals im Einsatz sind und wann Zertifikate und Wartungsverträge auslaufen.
Laufende Pflichten erfüllen
Aktuelle Updates und Fristen der TI 1.0 bleiben verbindlich. Wer sie aufschiebt, riskiert Ausfälle schon vor dem Umstieg.
Hardware-Käufe mit Blick auf 2030 planen
Steht ein Austausch von Konnektor oder Terminals an, lohnt ein Blick auf TI-Gateway und HSM-B statt einer langen Bindung an TI-1.0-Hardware.
Beim PVS-Hersteller nachfragen
Fragen Sie konkret, wann VSDM 2.0, PoPP und Zero Trust in Ihrer Praxissoftware unterstützt werden. Eine klare Antwort ist ein gutes Zeichen.
Häufige Fragen zu TI 2.0 in der Arztpraxis
Muss ich meinen Konnektor wegen TI 2.0 jetzt austauschen?
Nein. Der Konnektor bleibt bis zum schrittweisen Abbau der TI 1.0 in Betrieb, der laut Gematik-Planung bis Ende 2030 abgeschlossen sein soll. Laufende Pflichten wie aktuelle Konnektor-Updates gelten weiterhin.
Was ist PoPP?
PoPP (Proof of Patient Presence) ist ein Dienst der TI 2.0, der kryptografisch nachweist, dass sich ein Versicherter tatsächlich in einer Behandlungssituation befindet. Er soll unter anderem Zugriffe auf die ePA absichern und befindet sich seit 2026 in der Pilotierung.
Brauche ich mit TI 2.0 noch Kartenterminals?
Vorerst ja. Für SMC-B und elektronischen Heilberufsausweis bleiben zertifizierte eHealth-Terminals zunächst nötig. Langfristig sollen sie durch digitale Identitäten und handelsübliche Geräte ersetzt werden.
Wird die TI mit TI 2.0 stabiler?
Das ist das erklärte Ziel. Die Gematik will die Zahl der Schritte für ein E-Rezept von 17 auf drei bis vier senken und die Backend-Instanzen von 114 auf 31 reduzieren. Weniger beteiligte Komponenten bedeuten weniger Stellen, an denen etwas ausfallen kann. Ob das im Alltag gelingt, wird sich erst mit dem breiten Rollout zeigen.
TI 2.0 in der Arztpraxis: Die Software wird zum entscheidenden Faktor
TI 2.0 für Arztpraxen verspricht weniger Hardware, weniger Ausfallpunkte und mobile Nutzung ohne Medienbruch. Bis 2030 laufen alte und neue TI parallel, akuter Handlungsdruck besteht nicht. Entscheidend wird, wie gut Ihr Praxisverwaltungssystem die neuen Dienste unterstützt.
Wenn Sie wissen möchten, wie Praxis4More die TI heute anbindet und wie der Weg zur TI 2.0 aussieht, sprechen Sie mit dem Team der CoKom One GmbH oder lesen Sie weitere Beiträge im CoKom-One-Blog.
