Am 7. September 2026 kam die Telematikinfrastruktur (TI) bundesweit zum Stillstand: Die elektronische Patientenakte (ePA), das E-Rezept, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und der Kommunikationsdienst KIM waren für fast 19 Stunden nicht nutzbar. Ursache war eine Störung beim Zertifikatsanbieter D-Trust. Nur drei Tage später, am 10. September, kam es erneut zu Ausfällen. Für Arztpraxen stellt sich die Frage: Wie bereitet man sich auf solche Situationen vor — und welche Prozesse funktionieren auch ohne TI?
Was ist am 7. September 2026 passiert?
Die ePA-Störung im September 2026 begann am Montag, den 7. September, gegen 12:45 Uhr und dauerte bis zum folgenden Dienstagmorgen, 7:40 Uhr. Auslöser war ein technisches Problem bei der D-Trust GmbH, einer Tochter der Bundesdruckerei. D-Trust ist als Trust Service Provider (TSP) dafür zuständig, die Gültigkeit von Heilberufsausweisen (HBA) und Praxiskarten (SMC-B) gegenüber der TI zu bestätigen.
Als dieser Dienst ausfiel, konnte die TI die Identität von Praxen und Ärzten nicht mehr verifizieren. Die Folge: Sämtliche TI-Anwendungen, die auf diese Prüfung angewiesen sind, standen still.
Am Donnerstag, den 10. September 2026, kam es erneut zu einer Störung bei D-Trust. Diesmal dauerte der Ausfall etwa eine Stunde, betraf aber erneut bundesweit alle Praxen und Apotheken, die HBA oder SMC-B von D-Trust nutzen.
Welche Praxisprozesse waren betroffen?
Die Störung traf nicht einen einzelnen Dienst, sondern mehrere zentrale Workflows gleichzeitig. Im Praxisalltag bedeutete das:
| TI-Dienst | Auswirkung im Praxisalltag | Workaround während der Störung |
|---|---|---|
| E-Rezept | Keine elektronischen Rezepte ausstellbar | Muster-16-Rezept auf Papier ausstellen |
| eAU | Keine elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen versendbar | Papier-AU ausstellen, eAU nach Störungsbehebung nachreichen |
| ePA | Kein Zugriff auf elektronische Patientenakten | Auf lokale Patientendokumentation im PVS zurückgreifen |
| KIM | Keine verschlüsselte Kommunikation mit anderen Leistungserbringern | Dringende Kommunikation per Telefon oder Fax |
| VSDM | Versichertenstammdaten nicht prüfbar, eGK-Einlesen gestört | Patienten behandeln, Stammdatenabgleich nachholen |
Praxis4More bei TI-Ausfällen: Ein zertifiziertes Praxisverwaltungssystem wie Praxis4More von der CoKom One GmbH arbeitet lokal weiter, auch wenn die TI nicht erreichbar ist. Patientendokumentation, Terminverwaltung, Laborkommunikation und die Vorbereitung der Abrechnung sind nicht an die TI-Verfügbarkeit gekoppelt. Sobald die Verbindung wiederhergestellt ist, werden ausstehende TI-Vorgänge nachgeholt.
Warum ein einzelner Dienstleister die gesamte TI lahmlegen kann
Die Telematikinfrastruktur ist so aufgebaut, dass jede Aktion, die eine qualifizierte elektronische Signatur erfordert — also das Signieren von E-Rezepten, eAU oder ePA-Einträgen — über einen Trust Service Provider (TSP) validiert werden muss. Dieser TSP bestätigt, dass der Heilberufsausweis des Arztes gültig und nicht gesperrt ist.
D-Trust ist einer der wenigen zugelassenen TSP für die TI und stellt einen Großteil der HBA und SMC-B in Deutschland aus. Wenn dieser eine Anbieter ausfällt, betrifft das nicht einzelne Praxen, sondern das gesamte Netz. Die gematik als Betreiberin der TI hat nach den September-Störungen mehr Redundanz gefordert — eine kurzfristige Lösung gibt es aber nicht.
Für Praxen bedeutet das: TI-Ausfälle sind kein theoretisches Risiko, sondern ein wiederkehrendes Szenario, auf das man vorbereitet sein muss.
So bereiten Sie Ihre Praxis auf TI-Ausfälle vor
Ein TI-Ausfall lässt sich nicht verhindern, aber die Auswirkungen auf den Praxisbetrieb lassen sich deutlich reduzieren. Diese fünf Maßnahmen helfen:
Muster-16-Rezeptblock bereithalten
Wenn das E-Rezept nicht funktioniert, ist das Papierrezept (Muster 16) der offizielle Rückfallweg. Halten Sie immer einen aktuellen Vorrat in der Praxis. Prüfen Sie regelmäßig, ob die Formulare noch gültig sind.
Papier-AU und Nachreichung kennen
Bei eAU-Ausfall stellen Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf Papier aus. Die elektronische Übermittlung an die Krankenkasse holen Sie nach, sobald die TI wieder verfügbar ist. Informieren Sie Patienten, dass der Arbeitgeber die Papier-AU akzeptieren muss.
Lokale Dokumentation sicherstellen
Ihr PVS dokumentiert Behandlungen, Diagnosen und Befunde lokal — unabhängig von der TI. Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeitenden wissen, wie sie im PVS weiterarbeiten, wenn ePA und KIM nicht erreichbar sind. Praxis4More speichert alle Daten lokal und synchronisiert TI-Vorgänge automatisch nach.
Notfallkommunikation planen
Wenn KIM ausfällt, erreichen Sie andere Leistungserbringer nicht mehr verschlüsselt per Mail. Für dringende Fälle (Überweisungen, Befundübermittlung) sollte eine Telefon- oder Faxnummer hinterlegt sein. Klären Sie vorab mit häufigen Überweisungspartnern, wie Sie im Störungsfall kommunizieren.
Team informieren und Ablauf üben
Das MFA-Team sollte wissen, was bei einem TI-Ausfall zu tun ist, ohne erst nachfragen zu müssen. Ein kurzes internes Dokument mit den Rückfallwegen (Papierrezept, Papier-AU, Telefon statt KIM) spart im Ernstfall wertvolle Zeit.
Häufige Fragen zur ePA-Störung September 2026
Sind bei der Störung Patientendaten verloren gegangen?
Nein. Die Störung betraf die Erreichbarkeit der TI-Dienste, nicht die gespeicherten Daten. Patientenakten, E-Rezepte und Befunde, die vor der Störung erstellt wurden, blieben vollständig erhalten. Die lokale Dokumentation im PVS war durchgehend verfügbar.
Muss ich E-Rezepte und eAU nachträglich elektronisch ausstellen?
E-Rezepte, die während der Störung auf Papier (Muster 16) ausgestellt wurden, sind gültig und müssen nicht elektronisch nachgereicht werden. Für eAU gilt: Die elektronische Übermittlung an die Krankenkasse sollte nachgeholt werden, sobald die TI wieder verfügbar ist. Die meisten PVS-Systeme, darunter Praxis4More, erledigen das automatisch.
Haftet die Praxis, wenn sie während eines TI-Ausfalls kein E-Rezept ausstellen kann?
Nein. Ein TI-Ausfall liegt außerhalb der Verantwortung der Praxis. Die Pflicht zur elektronischen Verordnung gilt nur, soweit die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Bei einer bundesweiten Störung greift der Papierweg als anerkannter Rückfallprozess. Die gematik dokumentiert solche Störungen öffentlich, sodass der Ausfall nachweisbar ist.
Wie erfahre ich, ob gerade eine TI-Störung vorliegt?
Die gematik veröffentlicht den aktuellen Betriebsstatus der TI auf ihrem Fachportal. Viele PVS-Anbieter zeigen TI-Statusmeldungen direkt in der Software an. Wenn mehrere TI-Dienste gleichzeitig nicht funktionieren und ein Neustart des Konnektors das Problem nicht löst, liegt in der Regel eine übergeordnete Störung vor.
Vorbereitet statt überrascht: TI-Ausfälle gehören zum Praxisalltag
Die ePA-Störung im September 2026 hat gezeigt, dass die Telematikinfrastruktur verwundbar ist — und dass Arztpraxen einen Plan brauchen, wenn ePA, E-Rezept und KIM ausfallen. Ein zertifiziertes Praxisverwaltungssystem wie Praxis4More von der CoKom One GmbH stellt sicher, dass der Praxisbetrieb weiterläuft: lokale Dokumentation, Terminverwaltung und Abrechnung funktionieren unabhängig von der TI. Ausstehende TI-Vorgänge werden automatisch nachgeholt, sobald die Verbindung steht.
