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eGK nicht lesbar: Was Praxen seit der ECC-Umstellung am Empfang tun
Telematik

eGK nicht lesbar: Was Praxen seit der ECC-Umstellung am Empfang tun

Wenn eine eGK nicht lesbar ist, hat die Praxis zwei Aufgaben in dieser Reihenfolge: die Behandlung über das Ersatzverfahren absichern und danach die Ursache klären. Wichtig für die Anmeldung: Eine Karte, die nicht liest, belegt keinen fehlenden Versicherungsschutz. Seit dem 1. Oktober 2026 kommt als Ursache eine neue hinzu — Gesundheitskarten, die ausschließlich das Verschlüsselungsverfahren ECC unterstützen.

Warum liest die neue Karte nicht?

Die gematik stellt die Telematikinfrastruktur schrittweise von RSA auf ECC um, ein moderneres kryptografisches Verfahren. Seit dem 1. Oktober 2026 geben die Krankenkassen die ersten Gesundheitskarten aus, die nur noch ECC beherrschen. Damit ein Praxiskonnektor diese Karten verarbeiten kann, muss er auf der Produktversion PTV6 stehen. Die Frist für dieses Update endete am 30. September 2026.

Praktisch heißt das: Eine Praxis ohne PTV6 bemerkt nichts, solange nur Bestandskarten über den Tresen gehen. Sobald der erste Patient eine frisch ausgestellte Karte vorlegt, scheitert das Einlesen — und je nach Konfiguration kommt es auch beim Verbindungsaufbau zur TI zu Problemen.

Entwarnung für den häufigsten Rückschluss am Empfang: Aus dem Start der ECC-only-eGK folgt kein pauschales Ablaufdatum für bereits ausgegebene Karten. Die eGK Ihrer Bestandspatienten bleiben gültig und werden wie bisher eingelesen. Es geht ausschließlich um neu ausgestellte Karten.

Welche Daten Sie im Ersatzverfahren erheben

Kann die eGK beim ersten Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal aus technischen Gründen nicht verwendet werden, greift das Ersatzverfahren nach Anlage 4a des Bundesmantelvertrags Ärzte, Anhang 1. Die Praxis erhebt die Angaben aus der eigenen Patientendatei oder nach Auskunft der versicherten Person:

  • Krankenkasse
  • Vor- und Nachname sowie Geburtsdatum
  • Versichertenart
  • Postleitzahl des Wohnorts
  • nach Möglichkeit die Krankenversichertennummer

Den Versicherungsschutz bestätigt die versicherte Person oder ihre Vertretung grundsätzlich mit einer Unterschrift auf dem Abrechnungsschein Muster 5. Für Muster 19 im Notfalldienst gilt diese Unterschriftspflicht nicht. Eine weitere Ausnahme betrifft unter 18-Jährige, die ohne Vertretung zur Behandlung kommen und weder eine eGK noch eine elektronische Ersatzbescheinigung vorlegen können.

Maßgeblich sind in jedem Fall die amtlichen Beschlüsse und die Abrechnungshinweise Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Dieser Beitrag fasst den Ablauf zusammen, ersetzt aber nicht den Blick in die Vorgaben Ihrer KV.

Die elektronische Ersatzbescheinigung über KIM

Neben dem klassischen Ersatzverfahren gibt es den elektronischen Weg. Er ist schneller und erspart die manuelle Erfassung, setzt aber einen funktionierenden KIM-Empfang voraus.

1

Patient fordert die Bescheinigung an

Versicherte können die elektronische Ersatzbescheinigung über die App ihrer Krankenkasse anfordern und dabei die KIM-Adresse Ihrer Praxis angeben. Halten Sie die Adresse am Empfang bereit, dann geht das noch im Wartezimmer.

2

Nachweis landet im KIM-Postfach

Die Krankenkasse sendet den Nachweis an das KIM-Postfach der Praxis. Die Annahme solcher Nachweise auf elektronischem Weg ist für Praxen seit Juli 2025 verpflichtend — ein Verweis auf Papier ist also keine Option mehr.

3

Daten ins Praxisverwaltungssystem übernehmen

Die Angaben aus der Bescheinigung werden in die Patientenakte im PVS übernommen. Ein zusätzliches Versichertenstammdatenmanagement ist bei Nutzung der elektronischen Ersatzbescheinigung nach Angaben der KBV nicht nötig.

4

Sonderfall: Praxis fordert selbst an

In Ausnahmefällen kann die Praxis die Bescheinigung für bekannte Patientinnen und Patienten selbst anfordern. Dafür braucht sie deren Einwilligung, und diese muss im PVS dokumentiert werden. Ohne dokumentierte Einwilligung ist dieser Weg nicht zulässig.

Eines leistet der elektronische Weg nicht: Er repariert keine gestörte TI-Verbindung. Wenn KIM selbst nicht erreichbar ist, bleibt nur das Ersatzverfahren auf Papier.

Liegt es wirklich am Konnektor?

Bevor jemand den IT-Dienstleister anruft, hilft eine Minute Beobachtung. Das Fehlerbild grenzt die Ursache erstaunlich präzise ein.

Nur neue Karten betroffen

Bestandskarten lesen normal, nur frisch ausgestellte eGK scheitern. Das ist das typische Bild für einen Konnektor ohne PTV6-Update. Hier hilft nur das Update, und zwar durch den IT-Dienstleister oder — bei einem TI-Gateway — den Anbieter.

Alle Karten betroffen

Wenn gar keine Karte mehr liest, liegt es selten an ECC. Dann kommen das Kartenterminal, die Gerätekarte gSMC-KT oder eine Störung der TI-Verbindung infrage. Ein Blick auf den TI-Betriebsstatus der gematik spart hier oft den Anruf.

Nur ein Arbeitsplatz betroffen

Liest die Karte am Nachbarterminal problemlos, ist das Problem lokal: Kartenterminal, Kabel, Zuordnung des Terminals im PVS. Der Konnektor und die Karte selbst scheiden als Ursache aus.

Lesen klappt, Signieren nicht

Wenn die Karte liest, aber die Signatur von eRezept oder eAU fehlschlägt, geht es nicht um die eGK, sondern um den Heilberufsausweis oder die Praxiskarte SMC-B. Auch diese Karten sind Teil der Umstellung auf ECC.

Welche Karten als Nächstes anstehen

Die ECC-Umstellung endet nicht mit dem Konnektor. Mehrere Komponenten in der Praxis haben eigene Stichtage, und sie fallen nicht alle gleichzeitig aus — sondern nacheinander, meist im ungünstigsten Moment.

Komponente Was ansteht Woran Sie es erkennen
Konnektor Update auf PTV6, Frist war der 30. September 2026 Produktversion in der Konnektor-Oberfläche oder beim IT-Dienstleister erfragen
gSMC-KT (Gerätekarte im Kartenterminal) Karten mit RSA-Zertifikat werden nur bis Jahresende 2026 geduldet Aufdruck auf der Karte: steht dort G2.1, besteht kein Handlungsbedarf
SMC-B (Praxisausweis) Austausch der RSA-only-Generation G2.0 gegen G2.1 empfohlen Kartengeneration auf der Karte prüfen, Nachbestellung über den Kartenanbieter
Heilberufsausweis (HBA) Teils bereits ausschließlich ECC-fähige Ausweise im Umlauf Fehlschlagende Signaturen bei funktionierendem Kartenlesen

Für die genauen Fristen Ihrer Komponenten ist die Themenseite der gematik zur RSA2ECC-Migration die verbindliche Quelle. Sinnvoll ist, alle vier Punkte in einem Durchgang zu prüfen: Die Laufzeiten von SMC-B, Konnektor und Kartenterminal sind oft identisch, weil die Komponenten gemeinsam angeschafft wurden.

Häufige Fragen

Verlieren die alten Gesundheitskarten jetzt ihre Gültigkeit?

Nein. Die Ausgabe von ECC-only-Karten bedeutet nicht, dass bestehende eGK ungültig werden. Sie werden weiter eingelesen und behalten ihre aufgedruckte Gültigkeit. Der Wechsel vollzieht sich über die normalen Karten-Neuausstellungen.

Darf ich behandeln, wenn die Karte nicht liest?

Ja. Das Ersatzverfahren existiert genau für diesen Fall. Die Behandlung wird nicht verweigert, sondern über die erhobenen Angaben und die Unterschrift auf dem Abrechnungsschein abgesichert. Eine nicht lesbare Karte ist ein technisches Problem, kein Nachweis fehlenden Versicherungsschutzes.

Was, wenn der Patient später im Quartal mit Karte wiederkommt?

Dann werden die eGK und das Versichertenstammdatenmanagement wieder regulär genutzt. Das Ersatzverfahren war die Überbrückung für den betroffenen Kontakt, es bleibt nicht für das ganze Quartal bestehen.

Muss das Ersatzverfahren dokumentiert werden?

Die erhobenen Angaben und — wo erforderlich — die Unterschrift gehören zur Abrechnungsunterlage und sind entsprechend aufzubewahren. Bei der elektronischen Ersatzbescheinigung, die die Praxis selbst anfordert, kommt die dokumentierte Einwilligung der Patientin oder des Patienten hinzu. Wie die Ablage im Einzelnen auszusehen hat, regeln die Vorgaben Ihrer KV.

Was ein PVS dabei abnehmen kann

Ein Praxisverwaltungssystem entscheidet mit, wie teuer eine solche Störung in Minuten wird. Praxis4More von der CoKom One GmbH ist ein zertifiziertes Praxisverwaltungssystem für Hausarztpraxen, Facharztpraxen und MVZ und bildet Ersatzverfahren, KIM-Kommunikation und TI-Anbindung in einem System ab — die Daten aus einer elektronischen Ersatzbescheinigung landen dort direkt in der Patientenakte, statt zweimal getippt zu werden.

Welche Funktionen rund um TI, Abrechnung und Dokumentation dazugehören, steht unter Lösungen. Weitere Beiträge zu TI-Fristen und Praxisorganisation finden Sie im Praxis4More-Blog, unter anderem die Übersicht zum PTV6-Konnektor-Update. Wenn Sie bei der Gelegenheit ohnehin über Ihre Praxissoftware nachdenken: Wie ein Wechsel ohne Datenverlust abläuft, beschreibt die Seite PVS wechseln.

eGK nicht lesbar: Ruhe am Empfang, Klärung dahinter

Wenn eine eGK nicht lesbar ist, ist der Ablauf eingeübt beherrschbar: Fehlermeldung notieren, Ersatzverfahren oder elektronische Ersatzbescheinigung nutzen, Behandlung durchführen — und danach klären, ob es an PTV6, am Kartenterminal oder an einer ablaufenden Karte liegt.

Der sinnvolle nächste Schritt für die Praxisleitung: einmal den Stand aller vier Komponenten erfassen — Konnektor, gSMC-KT, SMC-B und HBA — und die Stichtage in den Kalender eintragen. Damit wird aus der nächsten Umstellung ein Termin statt einer Störung.

Daniel Frenzel
Daniel Frenzel
Autor bei CoKom One GmbH – Praxis4More.

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